Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben.
Sieg oder Spott, folg deinem Gott!



Samstag, 24. Dezember 2011

12 Rauhnächte - 24. Dezember bis 5. Januar

Die zwölf Rauhnächte – Zeit der Magie. Im tiefsten Winter, der rauesten Zeit des Jahres... Die Rauhnächte sind im Volksglauben die Nächte, in denen das „Wilde Heer“ durch die Nacht jagt. Das Wilde Heer aber ist nach dem alten germanischen Glauben Odin mit den im Kampf gefallenen Kriegern. In der christlichen Zeit wurde daraus eine Art Zombie-Armee – furchtbar anzusehende Gestalten, von erschreckendem Aussehen, manche ohne Kopf, Teufelsfratzen und Hexen – vor denen man sich aufs Äußerste hüten musste und mit denen eine Begegnung unbedingt zu vermeiden war. Am besten warf man sich mit dem Gesicht zu Boden, wenn die schrecklichen Gestalten durch die Luft heran brausten und die Seelen Verstorbener aus dem Totenreich zurückkehrten.

Den Rauhnächten haftete wegen dieser Assoziationen zu dem vormaligen alten Glauben etwas stark Magisches an. Odin war der magischste der germanischen Götter, der dunkelste nordische Gott, einäugig, mit dunklem Haar und lederner Haut, der ein Auge als Pfand hergab, um seherische Kräfte zu gewinnen, und der mit seinen zwei auf der Schulter hockenden Raben den Kontakt zur Geisterwelthielt. Die Römer übersetzten ihn aus gutem Grund zu Merkur, dem Führer durch die Träume.

In der Zeit des christlichen Kalenders verstärkte sich die Magie noch durch die sogenannte Zwischenzeit, den magischen Raum „zwischen den Jahren“.

Der ursprünglich größte Feiertag war der Heilige Dreikönigstag – Epiphanias, das Fest des Heiligen Geistes, an dem bis zum vierten Jahrhundert auch Weihnachten gefeiert wurde. Erst dann wurde Weihnachten auf den 25. Dezember gelegt, den Tag des Mithraskultes, der Konkurrenzreligion des Christentums.

Im Volksglauben bildete sich nach der Verschiebung des heiligen Festes auf den Weihnachtstag der Glaube, dass man in den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag diezwölf Monate des kommenden Jahres prophezeien könne. Das betraf zunächst vor allem das Wetter – für eine Bauernkultur immer wichtig. Das Wetter war an den Rauhnachttagen genau zu beobachten: gab es Niederschlag, schien die Sonne, war es mild, kühl, kalt? Der Kundige konnte sich so auf das künftige jeweilige Monatsklima einstellen. Auch wichtige Ereignisse wie Brautwerbung und Begegnungen konnten vorausgesehen werden, wenn man aufmerksam war - eines der wichtigsten Mittel hierzu wurde die genaue Beobachtung der Rauhnachtträume.

Die Preisfrage für den, der es einmal ausprobieren möchte, ist nun: Welches sind die zwölf rauen Nächte? Zwischen Heiligabend und dem Dreikönigstag liegen nämlich dreizehn Nächte.

Manche lassen die zwölf Rauhnächte schon mit dem Thomastag, dem 21.Dezember, beginnen, und mit dem Neujahrstag enden – die eigentliche Zeit zwischen den Jahren, also dem kürzesten Tag des Jahres und dem kalendarischen Neujahrstag.

Andere beginnen ihre Zählung mit dem Heiligen Abend, nehmen es aber nicht so genau, dass zwölf Nächte am 5. Januar vorbei wären. Am einleuchtendsten scheint vielleicht die Zählweise ab dem Abend des Weihnachtstages – die erste Nacht wäre also die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember, die letzte Rauhnacht die auf den 6. Januar.

Die eigentliche Heilige Nacht – die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, die Nacht, in der nach der christlichen LegendeJesus geboren wurde, ist eine so heilige und lichtvolle Nacht, dass sie demnach noch nicht zu den Rauhnächten gezählt werden kann.

Folgende Monate des kommenden Jahres wären also – wenn Sie denn an die Prophezeiung glauben – folgendenRauhnächten zuzuordnen:

25. auf den 26. Dezember – Januar
26. auf den 27. Dezember – Februar
27. auf den 28. Dezember – März
28. auf den 29. Dezember – April
29. auf den 30. Dezember – Mai
30. auf den 31. Dezember – Juni
31. auf den 1. Januar – Juli
1. auf den 2. Januar – August
2. auf den 3. Januar – September
3. auf den 4. Januar – Oktober
4. auf den 5 Januar – November
5. auf den 6. Januar – Dezember



Die Rauhnächte waren bei unseren Vorfahren Heilige Nächte. In ihnen wurde möglichst nicht gearbeitet, sondern nur gefeiert, wahrgenommen und in der Familie gelebt. Es gibt 12 Rauhnächte! Diese Rauhnächte gingen immer von Nacht zu Nacht. Also von 24.00 Uhr an Heilig Abend, der "Mutternacht" bis 24.00 Uhr am 25. Dezember - das war die erste Rauhnacht.

"Nacht" deswegen, weil wir uns nach dem keltischen Jahreskreis in der Jahresnacht befinden. Somit ist der ganze Tag "Nacht". Und die letzte Rauhnacht endet um 24.00 Uhr am 5. Januar. Diese Nacht ist wieder eine besondere Nacht, die Perchten-Nacht, wo an vielen Orten in Bayern und Österreich Perchtenläufe abgehalten werden.

Danach ist dann Heilig-Drei-König, das Fest, das auch Epiphaniea, "Erscheinung", genannt wird.

Es gibt aber auch Varianten von z.B. 13 Rauhnächten, weil man davon ausgehen kann, daß die alten keltischen Stämme sich nach dem Mond richteten und 13 Mondmonate hatten.

Und dann gibt es noch besondere Variante, daß die Rauhnächte an der Wintersonnwende beginnen, sprich am 21. Dezember mit der Thomasnacht. Der Name Thomas bedeutet übersetzt "Zwilling". Das ist deshalb interessant, weil der Apostel Thomas auch als Zwilling von Jesus angesehen wurde. Und sind nicht die Sonnwenden auch eine Art von Zwillingen: Sommersonnwende und Wintersonnwende.

Und über vielen Kirchenportalen kann man heute noch 2 Wölfe oder Wolfsdrachen (=Zwillingswölfe) sehen, die für die Sonnwenden stehen. Sie stehen sich gegenüber, und der eine bedeutet die Zeit vor der Sonnwende und der andere die Zeit nach der Sonnwende.

Die Anzahl der Rauhnächte kann im letzteren Fall variieren, und es ist eine Frage der Wahrnehmung, wie lange eine Rauhnacht geht. Bei dieser Wahrnehmung geht es um Zeitqualitäten, bei denen man oft sher genau spürt, daß diese Rauhnacht evtl. auch 2 Tage geht und einen größeren Zeitraum einnimmt als eine andere. Und diese Wahrnehmung ist wiederum wichtig für die Deutung und Zuordnung der Monate des folgenden Jahres.

Deutungssysteme

Die Alten benutzten jede dieser Rauhnächte für einen Monat des Jahres zum Deuten und Orakeln. Somit steht die erste Rauhnacht für den Januar, die zweite für den Februar und so fort. Sie beobachteten alles: Wetter, wie das Essen geschmeckt hat, ob gestritten wurde oder ob es friedlich zuging. Ob an diesem Tag alles glatt lief oder es Probleme gab. Und wenn ja, welche Probleme usw. Alles, auch das noch so Unwichtige, hatte eine Bedeutung. Und wer es verstand, der konnte den dazugehörigen Monat im Vorhinein deuten. Man konnte das Ganze auch noch weiter diferenzieren. So waren immer zwei Stunden einer Rauhnacht stellvertretend für einen kommenden Monat. Die ersten beiden Stunden von 0.00 Uhr bis 2.00Uhr in der Nacht standen immer für den Januar, die nächsten zwei für den Februar und so fort bis zu den letzten beiden Stunden, die für den Dezember standen. Und das jeden Tag.

Verwandlungstage

Dann gab es besondere Tage, wie der 28. Dezemberan hatte die ersten drei Tage nur Streit, das Wetter war grauenvoll usw., dann hatten man am 28. Dezember) dem Tag der Kinder, die Möglichkeit, alles wieder gut zu machen und aufzulösen. Dazu war es wichtig, sich alles nochmal genau vorzustellen und dann in weißes Licht zu tauchen oder in violettes und es verwandeln zu lassen in etwas Positives. Das gleiche konnte man am Ende auch nochmal machen - also am 5. Januar, dem Hohen-Frauen-Tag. Darum wurden diese Rauhnächte vorsichtig und wachsam begangen, da sie das ganze kommende Jahr in sich bargen und jeder selber dafür verantwortlich war, wie er die Weichen stellte.

Perchtenumzüge

In der letzen Nacht, dem 5. Januar, wurde das ganze Haus, die Ställe und mancherorts auch rund ums Grundstück herum ausgeräuchert. Es gab auch an vielen Orten in dieser Zeit wieder die schon erwähnten Perchtenümzüge - die Wilde Jagd darstellend mit Dämonen, Geistern und bestimmten Tieren und der Percht als Wintergöttin. Dahinter stand, wie in vielen Traditionen der Schamanen auch, daß diese Geister eigentlich vertrieben werden sollten, damit sie einen nicht befielen mit Krankheiten und Tod. Das ist ja auch das, was die Schamanen in allen Traditionen versuchen, sich in die Welt der "Geister und Dämonen" zu versenken, um dort die krankheitsbringenden Wesenheiten zu konfrontieren. Das ist nicht nur einfach eine Theorie und was uraltes, wie Märchen und Mythen, sondern das ist etwas, was auch heute noch in unseren Seelen wirkt und wo wir oft niemanden haben, der das zu verstehen weiß und damit umgehen kann. Dann werden die Menschen krank, haben Depressionen usw. und keiner weiß so recht, warum.

Begegnungen

Wolf-Dieter Storl schreibt in seinem Buch: "Naturrituale" über eine solche Begegnung mit diesem Wilden Heer zu Winterzeit: "Wir wohnen abgelegen, fern von jedem Dorf ... In den Wintertagen, wenn wir eingeschneit sind und es ganz still ist, da kommt es gelegentlich vor, daß sich in den Momenten zwischen Schlafen und Wachen eigenartige Wesen zeigen. Oft sind sie buckelig und verkrüppelt, manchmal jedoch verführerisch schön; ihre Gesichter erinnern an die Perchten und Masken der alemannischen Fasnacht, an tibetische Dämonenmasken oder an die "Falschen Gesichter", mit denen die Irokesen die Krankheitsdämonen darstellen. Sie sind alle irgendwie leidend, es fehlt ihnen etwas, zugleich sind sie erschreckend und furchterregend. Wenn ich diese Entitäten wahrnehme und dabei Angst bekomme oder gar gegen sie ankämpfe, dauert es erfahrungsgemäß nicht lange und ich oder jemand im Haus oder Stall wird krank. Es ist besser, wenn ich den Mut fasse, ihnen zu sagen, sie sollen weiterziehen. "Wohin sollen wir ziehen!", fragen sie meist mit rauhen Geisterstimmen. Da sag ich: "Zieht nach Osten, geht ins Licht, der Heiland kann euch geben, was euch fehlt!" Manchmal klagen sie: "Aber wir haben kein Reisegeld." Dann gebe ich ihnen einen Kupferpfennig. Mit ihrem Glückspfennig ziehen sie weiter, und das Haus bleibt vor einer Krankheit verschont. Nach solch einem Besuch räuchern wir oft mit Beifuß, Wacholder und Mariengras, um die Atmosphäre zu reinigen."

Traum und Wirklichkeit

Und dann beschreibt er noch ein weiteres Beispiel einer solchen Begegnung: "In der Nacht träumte ich, daß eine Gruppe recht wilder, verwegener Wanderer ins Haus hereinspazierte. Ich stellte mich ihnen in den Weg, als sie durch die Tür ins Haus drangen: "He, was soll das, was macht ihr!" Aber sie ließen sich nicht aufhalten, sie spazierten munter an mir vorbei. Ich regte mich aber nicht sonderlich auf und gab mich eher freundlich. Einer berührte mich. "Du hast erhöhte Temperatur", sagte er.

Als ich kurz darauf aufwachte, war mir tatsächlich heiß, und die Haut war feucht. Nun wußte ich, das war kein gwöhnlicher Traum, sondern ein Besuch. Naturgeister, die mit dem starken Schneefall über das Land zogen, sind mir duch Leib und Seele spaziert. Ihre Berührung war ein Geschenk. Ich konnte es nehmen, wie ich wollte. Es war wie des Messers Schneide - so oder so: Entweder ich würde physisch krank werden, bekäme Fieber, oder ich würde mich beim Schreiben mit dem Feuer der Inspiration erhitzen und etwas Schönes herüberbringen, eine echte MÄR (althochdeutsch, "eine Botschaft aus übersinnlichen Welten", im Sinne von Luthers Weihnachtslied: "Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute, neue Mär"). Wenn ich Angst gehabt hätte, ihnen die Gastlichkeit verwehrt oder den Besuch einfach nicht bewusst erlebt hätte, wäre ich wirklich krank geworden und hätte wohl die Woche im Bett verbringen müssen. Aber ich nahm es nicht auf körperlicher Ebene an, sondern als Feuer der Begeisterung."

Masken nach Geistern geformt

Die zu bestimmten Jahreszeiten durchziehenden Naturgeister sind weltweit bekannt. Überall werden sie auf ihrem Durchzug zur Kenntnis genommen, mit Festen und Ritualen gewürdigt und dann aber immer jenseits der Dorfgrenze oder auch Grundstücksgrenze hinauskomplimentiert. In traditionellen Gesellschaften trägt man Masken, die exakt den visionär geschauten Geistern entsprechen. Im Salzburgischen gibt es immer noch Perchtenumzüge zur Rauhnachtzeit. Auch das Bärbeletreiben und Klossatreiben trägt diesen Geist. Auch die Fasnacht ist eine solche Zeit. Die Geister kommen vom "Jenseits", von außerhalb der gesitteten normalen Gesellschaft. Sie kommen aus dem Wald und der Wildnis, aus den Bergen, Seen und Sümpfen, auch analog zu verstehen als Seelenbilder. Auch Verstorbene sind dabei. Und wilde Tiere. Auch diese werden in den Umzügen dargestellt. Es ist eine starke ungezügelte Naturenergie, die sie mitbringen. Storl schreibt: "Eine Energie, die ausgelassen, geil und fruchtbar macht, aber auch genauso leicht das Gleichgewicht stört und krank machen kann. Die Geister bringen kreatives Chaos, aus dem - so oder so - Neues entstehen kann."