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Dienstag, 12. Juni 2012

Atlantis - eine wissenschaftliche Annäherung



Größer als Asien und Lybien zusammen und von ihr konnte man damals zu den anderen Inseln hinüber setzen, und von den Inseln auf ganze gegenüber liegende Festland, welches jenes recht eigentlich so zu nennende Meer umschließt....

Auf dieser Insel Atlantis nun bildete sich eine große und staunenswerte Königsmacht, der nicht nur die ganze Insel, sondern viele andere Inseln sowie Teile des Festlandes untertan waren.. von den Ländern am Binnenmeer Lybien bis nach Ägypten, und Europa bis nach Tyrrhenien... Weiterhin brach dann eine Zeit gewaltiger Erdbeben und Überschwemmungen herein, und es kam ein Tag und eine Nacht voll entsetzlicher Schrecken, wo die ganze Masse eurer (der griechischen, Anm. Verfasser), von der Erde verschlungen ward; ebenso tauchte die Insel Atlantis in die Tiefe des Meeres hinab und verschwand.“

Mit diesen Worten läßt Plato in seinen Dialogen Timaios und Kritias Atlantis beschreiben.

Die Wissenschaft neigt häufig zu der Idee, Atlantis sei lediglich eine Konstruktion Platos, um den „Idealstaat“ zu kreieren. Allerdings ist fraglich, ob man sich diesen Argumentes nicht kurzerhand bedient, um weitere Spekulationen im Keim zu ersticken, denn bereits eine erste flüchtige Lektüre der Überlieferung Platos müßte diese Idee absurd erscheinen lassen: Plato selbst weist mehrfach darauf hin, daß es sich eben um eine tatsächliche und reale Geschichte handelt, darüber hinaus weist die Darstellung der Atlantis vieler Orts Stellen auf, die als moralische Ermahnung denkbar ungeeignet scheinen und nicht mit Platos Idealbild aus seinem Werk „Der Staat“ übereinstimmen. Die Identifizierung der Atlantis mit dem Idealstaat scheint bereits aufgrund des überlieferten Hochmut es seiner Bewohner, die zum Untergang der Insel führten, ausgeschlossen, Athen, schon eher ein Idealstaat im Platoschen Sinne, wird dagegen kaum näher betrachtet . Die einleuchtendste Widerlegung ist aber, daß Plato unglaublich klingende Details in seiner Überlieferung beließ, obwohl sie einer Projektion eines Idealstaates wenn nicht im Wege standen, so doch unnötig ablenkten – daher waren auch die meisten Kommentatoren damaliger Zeit der Überzeugung, eine wahre Überlieferung in der Atlantis – Erzählung vor sich zu haben ( Proklos, der von einer Überprüfung der Geschichte vor Ort durch Krantor von Soloi berichtete, Diodor von Sizilien, Poseidonius und Herodot, der jedoch schon vor Plato von Atlantis berichtete).

Doch bereits die Entzifferung der Überlieferung Platos weist eine Reihe von ungeahnten Schwierigkeiten auf: Ist mit den Säulen des Herakles wirklich die Meerenge von Gibraltar gemeint ? Handelt es sich bei Atlantis um eine Insel ? Handelt es sich bei den überlieferten 9000 Jahren um reguläre oder Mondjahre ? Ist Atlantis wirklich untergegangen oder versank nur die Kultur ? Die Fragen ließen sich noch Seitenweise fortsetzen.

Die Geschichte der neueren Atlantisforschung setzt indes mit dem christlichen Chronisten Kirchner ein.

Nach der Beschäftigung des Gelehrten Athanasius Kirchner mit dem Atlantis – Mythos im 17. Jahrhundert, ist der früheste Eintritt der Überlieferung Platos in den Rang eines Forschungsgegenstandes mit dem Namen Ignatius Donnely verbunden, der als eigentlicher Begründer der Atlantologie – der Suche nach Atlantis – gilt. In seinem 1882 erschienenden Weltbestseller stellte er die Thesen auf, daß Atlantis tatsächlich im Atlantik gegenüber der Meerenge von Gibraltar gelegen habe und hier der Ursprung der indogermanischen, semitischen und turanischen Völkerstämme lag, die Atlantis zur ersten menschlichen Hochkultur aufbauten. Nach einer Zehntausende von Jahren währenden Existenz sei Atlantis um 10.000 v.u.Zt. untergegangen, wobei sich einige Bewohner retten konnten und den Grundstein der verschiedenen Hochkulturen in Nordamerika, Ägypten und Mesopotamien legten.

1922 präsentierte Adolf Schulten, ein verdienter Archäologe, mit der Gleichsetzung Atlantis mit dem spanischen Tartessos, eine These, die in der damaligen Gelehrtenwelt große Aufmerksamkeit und Zuspruch hervor rief. Abgesehen von der Unmöglichkeit, Tartessos tatsächlich zu identifizieren, wurde es jedoch erst nach 1200 v.u.Zt. gegründet und dazu bei Plato als Reich des Atlas – Bruder Gades bezeichnet – wenn man sich denn der Gleichsetzung des Gadeirischen Landes mit dem Besitz des Gades anschließen wollte. Die Atlantis – Forschung im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts wird in der heutigen Betrachtung weitgehend ausgeklammert, da sie in weiten Teilen überschattet von der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland war. Herman Wirth, Begründer der später von der SS übernommenen Ahnenerbe – Gesellschaft, sah Atlantis in der Nordsee als Zentrum der frühen Kulturstufe des nordisch – arktischen Stammes (die zweite Heimat nach Auswanderung aus der amerikanisch – arktischen Urheimat), deren Kultur sich von hier in die Welt ergoß – Albert Herrmann folgte unter Berücksichtigung der sehr umstrittenen Ura – Linda – Chronik den Spuren Leo Frobenius und Paul Borchardts, die beide das lybische Nordafrika mit Atlantis in Verbindung brachten, und vermutete Atlantis im Djerab –Gebirge in der Nähe des nordafrikanischen Triton Sees, wobei er dieses in den Kontext eines nordisch – fälischen Reiches stellte – ohne sich um daraus ableitbare politische Ansprüche etwa des NS – Regimes zu kümmern. Doch auch in anderen Ländern legten Forscher bis zum Wendepunkt 1945 ein großes Augenmerk auf die Verbindung der Atlantis mit dem Ursprung der „arischen“ Rasse – womit auch sie, mehr zeit – als ideologiebedingt, ebenfalls zur schlechten Reputation der Vorkriegs – Atlantisforschung beitrugen.

Der bekannteste Atlantisforscher der Nachkriegszeit war hingegen Otto Muck, der anhand des Beginns des Maya – Kalenders den Untergang von Atlantis auf die Minute genau auf 13.00 Uhr des 5. Juni 8498 v.u.Zt. meinte bestimmen zu können („Alles über Atlantis“). Muck jedoch war einer der ersten, der den Untergang Atlantis durch den Einschlag eines Metereoiten näher beleuchtete. Auch Muck vermutete Atlantis im Bereich der Azoren im Atlantik, wobei er als Beweis unter anderem auf den fehlenden Golfstrom während der ausgehenden Altsteinzeit um 11 000 v.u.Zt. sowie die sonderbaren Laichzüge der Aale verwies, die instinktiv von Amerika und Europa zu ihrer Urheimat, dem inzwischen versunkenen Atlantis im Atlantik zurückkehren würden.

Auch Charles Berlitz, oft als „Däniken“ der Archäologie gescholten, schloß sich der Atlantik These an und favorisierte die Bermudainseln als Rest von Atlantis. Auch hier gingen die Funde jedoch nicht über einzelne Artefakte, die auch von Schiffen verloren gegangen sein könnten, sowie umstrittene Unterwasser – Strukturen hinaus. Eine Lokalisierung besonderer Art präsentierten Richard und Flem Ath, welche die Antarktis vor ihrer Vereisung mit Atlantis gleichsetzten. Während die Beschreibung der kosmischen Katastrophe durch die Erdkrustenverschiebung einige tatsächlich bemerkenswerte Indizien aufweisen kann, vermag sie nicht so recht mit der Beschreibung Platos zu korrespondieren, auch wenn jüngst Gernot Geise anhand moderner topographischer Karten weitere Beweise erbracht haben wollte – eine Übereinstimmung der Lage der Antarktis mit der Beschreibung Platos als „vom Meer umgeben“ und in leichter Erreichbarkeit des „gegenüber liegenden Festlandes“ trifft nicht nur auf die Antarktis zu, wie Geise meint, auch die Übersetzung des Pelagos mit Eismeer erscheint reichlich konstruiert.(„Wo lag Atlantis wirklich ? in: Efodon Synesis 4/2004)

Eine neue Ära der Atlantis – Forschung begann mit dem Verweis auf den wahrscheinlichen Irrtums Platos bei der Zeitangabe: So soll es sich bei den 10 000 Jahren, die von seiner Kenntnis der Überlieferung bis zum Untergang vergangen waren nicht um Sonnenjahre, sondern um („siderische“) Mondjahre gehandelt haben. Denn die Verwendung von Mondjahren ist aus verschiedenen Quellen über die Ägypter überliefert. Damit war es nun erstmals möglich, die für eine so frühe Zeit unrealistischen Aufzählungen über den hohen Kulturstand der Atlanter, der durch den Untergang Atlantis versank, auf das Ende der Bronzezeit zu korrigieren. Diese Erkenntnis muß für die jüngere Forschung keinem geringeren als Jürgen Spanuth zugeschrieben werden, obgleich bereits um 1700 der Rektor der Universität Uppsala, Olaf Rudbek, diese Vermutung anstellte und Atlantis ebenfalls im Norden Europas, allerdings im skandinavischen Teil vermutete. Spanuth hingegen, der diese Theorie als einer der ersten begründete, veröffentlichte 1953 erstmals seine Theorie der Übereinstimmung des Atlantis – Berichtes mit dem nordischen Europa der Bronzezeit.

Doch während seine Grundthese überwiegend auf Ablehnung stieß – nicht zuletzt aufgrund der für gefährlich gehaltenen Nähe zu den Ansichten „der Nazis“ – übernahm man größtenteils die neue Datierung.

Gleichzeit richtete sich der Blick der Atlantologen zunehmend auf den Mittelmeerraum. Hier sind vor allem die griechischen Professoren Galanopoulos, der 1959 als erster die These aufstellte, Marina tos, der 1972 Teile einer verschütteten Stadt auf Thera ausgrub, sowie der Brite J. Luce, der seit 1969 umfangreiche Forschungen durchführte, zu nennen. Das fabelhafte Reich der Minoer mit ihrem Stammsitz auf Kreta und der weite Teile der Ägäis beherrschenden Flotte, wies einige Übereinstimmungen mit Atlantis auf, auch der Untergang – zumindest Thera – Santorins - ,der als Spätfolge des Vulkanausbruchs von Santorin angesehen wird, fügte sich gut in Platos Bericht. Jedoch verursachte der Ausbruch von 1680 v.u.Zt., der weltweite klimatische Veränderungen ausgelöst haben soll, nicht den Untergang der Insel, lediglich die Kultur der Minoer versank und wurde von den festländischen Nachbarn, den Mykenern, beerbt.

Eberhard Zangger veröffentlichte auf dem Höhepunkt des Troja Fiebers seine Atlantis These, derzufolge Plato einen Bericht über die Stadt an den Dardanellen rezitierte. Doch alle Mittelmeer Thesen kollidieren mit einer kleinen aber umso wichtigeren Erwähnung des Berichtes, nach der Atlantis außerhalb der Meerenge an den Säulen des Herakles gelegen habe. Diese werden von der Mehrheit der Atlantologen bei Gibraltar lokalisiert, doch gibt es auch Stimmen, die widersprechen:

Zangger etwa beansprucht die Dardanellen - Meerenge, womit auch ein Ort im Schwarzen Meer in Betracht käme, wenn auch nicht Troja, das unzweifelhaft vor der Enge lag. Auch in anderen Punkten kann Troja als Atlantis – Lokalisierung nicht den Erwartungen entsprechen, die Zangger selbst mit seiner Veröffentlichung „Atlantis entziffert“ weckt: „Der Umgang mit Quellen erfolgt (bei ihm) ganz nach Belieben und getreu der Devise: Die Fakten ausblenden, weglassen und nach eigenem Gusto wieder zusammensetzen“, wie es Strohmeier als Quintessenz, etwas streng, letztendlich jedoch zutreffend umschreibt („Atlantis war nicht Troja“).

Indes ist die mit der Ansiedlung der Säulen des Herakles bei den Dardanellen eine neue Option in den Blickwinkel der Atlantis Forschung geraten: Die durch die nachweisbare Flut um 5500 v.u.Zt, versunkene Schwarzmeerkultur, welche Heimat der Proto – Bandkeramiker vor ihrem Zug nach Mitteleuropa gewesen sei. Diese Theorie widerspricht zwar auch einigen Teilen der Überlieferung, ist jedoch als Urquelle eines Teiles der Überlieferung zu berücksichtigen – vor allem wenn man den Terminus Platos vom „Festland ,welches das wirklich so zu nennende Meer ( in dem Atlantis liegt; Anm. Verfasser) umschließt“, berücksichtigt - eine ausführliche Würdigung hierzu finden Sie auf Seite 26.

Doch auch die Lokalisierung in Nordafrika, nördlich des Atlas – Gebirges erhält neuen Rückenwind: Die Säulen des Herakles wären erst mit Ausweitung des Geschichtsbildes der Griechen, also mit zunehmender Schiffsfahrt, als an der Meerenge von Gibraltar befindlich erschienen, vorher hätten sie die Zufahrt zum seit dem Untergang Atlantis in einer kosmischen Katastrophe verschütteten, Binnenmeer gekennzeichnet, welches heute als Tritonsee bekannt ist. Für sich hat diese neu präsentierte Deutung des Essener Forschers Hofman („Platons Insel Atlantis“) vor allem die zahlreichen nach Atlantis und ihrem Herrscher Atlas benannten geographischen Namen, etwa des Atlas – Gebirges u.a. auf die bereits Hermann verwies – auch Kehnscherper hält den Bezug der Säulen des Herakles auf die Tritonenge für wahrscheinlich, obgleich er Atlantis dennoch im Norden Europas vermutet.

Doch auch hier mangelt es am Verständnis der Deutung außerhalb und innerhalb der Säulen, die für Plato von großer Bedeutung war, denn streng betrachtet wären die außerhalb der Säulen (von Ägypten bzw. Griechenland aus betrachtet) wohnenden lediglich die Lybier und Berberstämme / Tenehu gewesen, in denen Hofmann die Atlanter identifiziert. Zumal verträgt sich die Herkunft dieser Atlanter nicht mit dem „Meer geringerer Größe“ im Vergleich zum Mittelmeer mit der Vorstellung jenes „wahrhaftig als Meer zu bezeichnenden Meeres“, von dem Plato spricht. Auch die Überlieferungen aus Medinet Habu, von Angreifern „von den Inseln im Ozean, die im Norden liegen“ bzw. „Inseln und Festländern am großen Wasserkreis an den fernsten Enden“ sind mit diesem Standort nicht in Einklang zu bringen, obgleich sie nach Meinung vieler Forscher eine Parallelüberlieferung zu Plato darstellen (Spanuth, Gadow, Strohmeier; siehe Artikel Atlantis - Quellen) Die Unmöglichkeit, die vermeintliche Lage von Atlantis am Tritonsee mit einer Insel in Einklang zu bringen, verliert dabei insofern an Gewicht, als das die Übersetzung des ägyptischen Wortes für Insel auch „fernes Gebiet“ lauten könnte.

Die bis heute nachvollziehbarste doch auch nicht minder umstrittenste Lösung der Atlantis Lokalisierung führt zweifellos in das Gebiet der europäischen Megalithkultur aus der nicht zuletzt auch die nordische Bronzezeit hervorging. Der Hauptgrund der An-fechtung liegt dabei hauptsächlich auf ideologischem Gebiet – zu groß ist offenbar die Angst vor einer Bestätigung von Ansichten, die unter andern Vorzeichen zumindest teilweise in einer „dunklen“ Zeit geäußert wurden. Dennoch gibt es eine Reihe von Forschern, die sich der Nordsee – Atlantis Hypothese in vorsichtiger Form angeschlossen haben – in seiner Begründung von Spanuth distanzierend, hat etwa Steuerwald einen Teil Cornwalls als mythische Insel ausgemacht, während Gerhard Gadow (Der Atlantis – Streit) und Günther Kehnscherper, einer der wenigen renommierten Archäologen, Spanuth in vielen Punkten beipflichteten, letzterer die Ausgangskultur aber - vorsichtig ausdrückend - in der Urnenfelderbewegung erkannte, die jedoch ebenfalls aus dem mittleren und nördlichen Europa ausgeht.

Auch Arn Strohmeir hält, bei aller Kritik an Spanuth, die Grundthesen für überzeugend. Selbst populärwissenschaftliche Printmedien übernahmen bereits die Atlantis - Thesen Spanuths als überzeugendste (P.M. 3/2001). Jüngste Stimmen der Befürwortung der Identifizierung Atlantis mit dem frühzeitlichen Europa stammen vom Iren Erlingsson, der überzeugt ist, daß Plato bei seiner Beschreibung das Megalithreich vor Augen hatte, obgleich er zu Beginn seiner Forschungen an eine hypothetische Geschichte Platos dachte. Weiterhin hält er jedoch den Bericht als solchen für eine Mischung aus fiktiven und realem, welche Plato auf Grundlage seiner Kenntnisse des Megalithreiches ansiedelte, wobei Irland bzw. eine vorgelagerte, um 6100 v.u.Zt. versunkene Insel in der Doggerbank seiner Ansicht nach als Vorlage der Königsinsel Basilea diente. Der Geburtshügel der Kleito, Stammutter von Atlantis, wäre dabei Tara und der Poseidontempel Newgrange gewesen. Bei Annahme einer zumindest in großen Teilen zusammenhängenden.- wahren - Geschichte Platos fehlt es dieser Deutung jedoch in weiten Teilen an einer erforderlichen Übereinstimung der geographischen Einzelheiten.

Ebenfalls an das megalithische Reich dachte Helmut Tributsch bei der Lektüre der Plato – Überlieferung, wobei er den Schwerpunkt des Reiches in der Bretagne erkennt. Für Tributsch handelt es sich bei dem Bericht ebenfalls um die Vermischung von Fakten aus verschiedenen Zeitabschnitten.

Während sich die grundlegende, in den weltweiten Flutmythen erhaltende „Sintflut“, als Überschwemmung des Ärmelkanals bereits um 6000 v.u.Zt. ereignete, siedelt er den eigentlichen Untergang von Atlantis bzw. dem europäischen Megalithreich mit dem Einfall der Indogermanen aus Asien um 2200 v.u.Zt. an. (Die gläsernen Türme von Atlantis / Das Rätsel der Götter)

Davon unbeeindruckt, wenden sich die jüngsten Atlantis - Forschungsprojekte wieder Gebieten zu, die doch eigentlich bereits ausgeschieden wurden. Anfang 2000 untersuchte der deutsche Physiker Rainer Kühne mithilfe von Satelliten – Photos erneut die iberische Insel bei Cadiz und konnte unweit des von Schulten und Hennig in derselben Region gesuchten Tartessos einige kreisförmige Fundamente entdecken, die auf einstige Städte verweisen. Allerdings nimmt Kühne dabei an, daß sich die von Plato beschriebenen Ereignisse des Unterganges zwischen 800 und 500 v.u.Zt. ereigneten, obgleich er auch Vermischungen in der Erzählung mit dem Seevölker – Einfall einräumt. Indes ist der Bezug allein auf Iberien bereits durch den Zeitpunkt von Solons Besuch in Ägypten ausgeschlossen; dieser erfolgte nämlich bereits um 640 v.u.Zt.

2003 startete eine britische Expedition zu Inselgruppen gegenüber der Meerenge von Gibraltar, den sogenannten Spartel - Inseln, die allerdings erwiesener maßen bereits um 11 500 v.u.Zt. versanken und lediglich mehrere Kilometer Durchmesser besaßen. Das Schweigen nach der zuvor groß angekündigten Durchführung der Expedition läßt jedoch vermuten, daß auch diese Expedition den Nachweis der vulkanischen Entstehung dieser Inseln nicht widerlegen konnte. Die jüngste Forschung, durch den US – Amerikaner Robert Sarmast, konzentriert sich auf Zypern, vor dessen Küste Funde an eine einstige Kultur erinnern, die um 9000 v.u.Zt. als letzter Teil einer vor Millionen Jahren versunkenen Landbrücke zwischen Afrika und Europa unterging. Doch wie auch die Kulturspuren bei Malta, vermögen die Forschungen nicht den Bericht Platos von einem außerhalb der Säulen des Herakles (= Mittelmeer ?) gelegenen Ursprungsort der Kultur glaubhaft zu bestätigen. Bei der Betrachtung der gesamten Forschung wird jedoch deutlich, daß an vielen Stellen der Erde Relikte aufzufinden sind, die auf frühe Hochkulturen verweisen und vielleicht auch als Bestandteil eines atlantischen Reiches anzusprechen sind – allein aus diesem Grund, ist eine Unterscheidung zwischen Haupt oder Königsinsel und atlantischer Provinz – bzw. Reichsstädte nahezu aussichtslos – jedoch nicht ohne Reiz und Gewinn für die archäologische Forschung an sich.
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