Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben.
Sieg oder Spott, folg deinem Gott!



Dienstag, 5. Juni 2012

Balder




Baldur/Balder ist der schönste und freudlichste der Götter. Er ist der Sohn von Odin und seiner Gemahling Frigg und gemeinsam mit seinem Bruder Höðr der Erbe von Odins Herrschaft, wenn die Brüder nach der Götterdämmerubg wiedergeboren werden. Baldur/Balder ist von sonnenhaftem Wesen. Er ist so hell, daß ein Leuchten von ihm ausgeht, er ist der weiseste der Asen und am sprachgewandtesten, doch es ist ihm bestimmt, daß seine Beschlüsse keinen Bestand haben. Von allen germanischen Göttern kommt er dem Wesen eines Sonnengottes am nächsten, doch die Sonne ist im Norden weiblich, und so nennen wir ihn den Sohn der Sonne, der die Dinge verkörpert, die von der Sonne ausgehen: Licht, Reinheit, erhellender Geist und Heilung. Eine wichtige Heilpflanze, die von den Druiden “Allheil” genannte Mistel, ist Baldur/Balder geweiht. Indem sie heilt, leistet sie Wiedergutmachung dafür, daß sie Baldur/Balder getötet hat, wie der Mythos berichtet:
Der Mythos von Baldurs Tod und Wiedergeburt
Es wird berichtet, daß Baldur/Balder schlechte Träume hatte, und Odin ins Totenreich der Hel fuhr, um dort eine verstorbene Seherin zu erwecken und nach der Bedeutung der Träume zu fragen. Sie erzählte ihm, daß seinem Sohn ein früher Tod bestimmt sei. Da schickte Frigg, seine Mutter, Boten zu allen Wesen und Dingen der Welt und ließ sie schwören, Baldur keinen Schaden zuzufügen. Alle schworen es, denn alle liebten Baldur, doch ein einziges Wesen hatten die Boten übersehen, da es zu unscheinbar war. Das war die Mistel. Der einzige außer Frigg, der davon wußte, war Loki , denn er brachte eine Botin Friggs dazu, ihm das Geheimnis zu verraten.
Als die Asen nun glaubten, daß nichts in der Welt Baldur/Balder schaden konnte, machten sie sich einen Spaß daraus, die gefährlichsten Dinge nach ihm zu werfen und zu sehen, wie sie wirkungslos an ihm abprallten. Alle feierten die Unversehrbarkeit Baldurs/Balders mit diesem Spiel, nur sein Bruder Höðr konnte nicht mitmachen, denn er war blind. Da ging Loki zu ihm und bot sich an, ihm die Hand zu führen, damit auch er Baldur/Balder diese Ehre erweisen konnte. Höðr spannte einen Bogen, aber Loki legte als Pfeil die Mistel ein, und so geschah es, daß Baldur von seinem blinden Bruder getötet wurde.
Alle Götter waren verzweifelt, nur Baldurs/Balders Mutter Frigg gab die Hoffnung nicht auf: Sie fragte, ob nicht einer genug Mut habe, ins Totenreich zu gehen und mit seiner Herrscherin Hel zu verhandeln, daß sie Baldur/Balder freigeben würde. Das wagte ein dritter Sohn, den sie mit Odin hatte, Hermoðr. Er ritt mit Odins Pferd Sleipnir ans Tor der Hel, durch das keiner, der es durchschritten hatte, wieder zurückkehrt. Sleipnir sprang über das Tor, und so konnte Hermoðr wieder zurückkehren. Es gelang ihm, Hel dazu zu überreden, daß sie Baldur freigeben würde, wenn alle Wesen und Dinge der Welt um ihn weinen würden. Frigg schickte wieder ihre Boten aus, und alle weinten um Baldur/Balder bis auf eine Riesin mit Namen Thökk. Es heißt, daß dies Loki war, der sich in die Riesin verwandelt hatte. Die Götter ergriffen ihn und fesselten ihn an einen Felsen unter der Erde, von dem er sich erst bei der Götterdämmerung losreißen kann.
Die alte Verehrung Baldurs
Manchen halten Baldur/Balder für einen “jungen” Gott, der erst in der Wikingerzeit bekannt war. Das ist aber nicht richtig, denn er wird bereits in altenglischen (unter der Namensform Bældæg ) und althochdeutschen Texten ( Balder ) erwähnt. Vieles spricht auch dafür, daß er mit dem keltischen Beli oder Belenos verwandt ist. Als Gott des Lichtes, der Reinheit und der Heilung entspricht er auch dem griechischen Apollon, von dem es heißt, daß er zuerst bei den “Hyperboräern”, dem Volk im äußersten Norden der Welt, verehrt wurde. Dort hatte er der Sage nach einen runden Tempel, den griechische Reisende später mit Stonehenge identifizierten. Es ist gut möglich, daß der Kult Baldurs in der Bronzezeit, als rege Handelsbeziehungen bestanden, vom Norden bis nach Griechenland verbreitet war. Im Mittelpunkt der bronzezeitlichen Religion des Nordens standen Sonnen- und Jahreszeitriten, die bis heute in unseren Hauptfesten gefeiert werden. Sommer- und Wintersonnenwende sind mit dem Mythos Baldurs verbunden: Im Sommer, wenn sich die Sonne nach Süden kehrt und die Tage kürzer werden, gedenken wir des Tods Baldurs, und zum Julfest, wenn die Wiederkehr der Sonne einsetzt, feiern wir seine Wiedergeburt.