Halt hoch das Haupt was dir auch droht und werde nie zum Knechte. Brich mit den Armen gern dein Brot und wahre deine Rechte! Treib nicht mit heiligen Dingen Spott und ehre fremden Glauben und lass dir deinen Schöpfer und Gott von keinem Zweifler rauben.
Sieg oder Spott, folg deinem Gott!



Montag, 11. Juni 2012

Feldzüge von Drusus und Tiberius


Mit dem Sieg über die westlichen Alpenvölker um 25 v.Chr. hatte die Eroberung der Alpenregion durch die Römer begonnen. Wenig später gab es bereits Kastelle bei Basel, Zürich und Oberwinterthur in der heutigen Schweiz sowie Stützpunkte in Xanten, Neuss, Bonn und vielleicht auch schon in Nijmegen. Um 20 v.Chr. begann der Bau einer Fernstrasse von Lyon (Lugdunum) über Trier bis an den Rhein. In den Jahren 17/16 v.Chr. fielen die Sugamber, Usipeter und Tenkterer in die westlich des Rheins gelegenen Gebiete ein und vernichteten die 5.Legion der Rheinarmee unter Marcus Lollius. Daraufhin begab sich Kaiser Augustus für die nächsten drei Jahre (15-13 v.Chr.) nach Gallien, um die Neuorganisation der Provinz voranzutreiben und deren Verteidigung neu zu strukturieren, auch indem er weitere Legionen aus den Provinzen direkt an den Rhein verlegte. Diese wurden zu je zwei Legionen in Standlagern untergebracht. Im Alpenfeldzug 15 v.Chr. stößt Nero Claudius Drusus (ein Stiefsohn des Augustus) von Trient aus nach Norden und Tiberius (Bruder des Drusus) von Gallien aus nach Osten vor. Der Nordrand des Alpenlandes wird
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Im Jahre 12 v.Chr. begann dann die römische Invasion ins germanische Land unter dem Oberbefehl des Drusus. Ausgangspunkte waren die Lager bei Mainz, in Xanten, Neuss und Nijmegen. Das Lager in Mainz befand sich gegenüber der Mainmündung, das Legionslager in Xanten gegenüber der Lippemündung. Beide Flüsse boten für den Nachschub den Zugang bis weit in das feindliche germanische Land.

Drusus führte eine römische Flotte längs der Nordseeküste und unterwarf die Friesen und Chauken, die an der Wesermündung siedelten. Die Offensive des nächsten Jahres (11 v.Chr.) richtete sich gegen die aufsässigen Sugambrer. Drusus traf sie nicht zu Hause an, da sie gerade gegen die Chatten ins Feld gezogen waren, und wandte sich deshalb gegen die Cherusker. Die Cherusker wichen vor den Römern Richtung Elbe aus. Drusus zog hinter ihnen her, wobei er das Cheruskerland zerstörte. Trotzdem war auch dieser Feldzug recht erfolglos, denn die Cherusker hatten sich über die Elbe in Sicherheit gebracht. Auf dem Rückmarsch wurden die Römer in einer Talenge bei Arbalo von den inzwischen zurückgekehrten Sugambrern im Verbund mit den Cherusker unter Segimer (Vater des Arminius) und den Sueben angegriffen. Drusus konnte sich freikämpfen und die Römer entgingen nur knapp einer Katastrophe. Ziel des Angriffes unter Drusus im Jahre 10 v.Chr. waren diesmal neben den Sugambrern auch die Chatten. In diesem Jahr ließ Drusus auch einen Kanal (fossa Drusiana) anlegen, der den Rhein über den Flevo-See mit der Zuidersee und damit mit der Nordsee verband. Dadurch wurde der Weg für die Flotte von den römischen Stützpunkten am Rhein in den Nordwesten erheblich verkürzt. Der Feldzug im Jahre 9 v.Chr. richtete sich gegen die Chatten und Sueben. Drusus führte das Heer erneut bis an die Elbe und dann zurück in westliche Richtung gegen die Cherusker. Auf dem Rückmarsch stürzte er vom Pferd, zieht sich dabei einen Schenkelbruch zu und stirbt nach 30 Tagen im Sommerlager (castra scelerata – das verfluchte Lager). Sein Bruder Tiberius, der an sein Sterbebett geeilt war, übernahm an Ort und Stelle das Kommando über die Truppen.

Trotz der Erfolge des Drusus war der Widerstand der germanischen Völker und Stämme noch immer sehr groß. Im Jahr 8 v.Chr. kam Augustus nach Gallien, um weitere Vorbereitungen zur Eroberung der rechtsrheinische Gebiete zu treffen. Die germanischen Stämme hatte in den zurückliegenden Jahren die Erfahrung gemacht, daß die Zahl ihrer Krieger immer weniger wurde, aber die Römer trotz erlittener Verluste zu jedem Feldzug mit mehr Truppen erschienen. Daher waren einige Stämme bereit, sogenannte Föderatenverträge mit den Römern abzuschließen. Mit dem Feldzug des Tiberius im Jahre 8 v.Chr. begann die Auflösung der Sugambrer als eigenständiger Stamm. Die Verluste der letzten Jahre waren einfach zu hoch. So war es Tiberius möglich etliche Sugambrer auf das linke Rheinufer umzusiedeln, wo sie fortan unter Kontrolle waren. Die restlichen Stammesangehörigen schlossen sich den Chatten an. Auch im Jahre 7 v.Chr. führte Tiberius verschiedene Feldzüge in Germanien durch. Was sich in den Jahren 6 v.Chr. bis 1 n.Chr. nach dem Rückzug des Tiberius vom Oberkommando im rechtrheinischen Germanien genau abspielte, ist weitgehend unbekannt. Man weiß von einem Feldzug unter L.Domitius Ahenobarbus von Raetien aus im Jahre 2 v.Chr. gegen die Hermunduren. Dabei überschreitet er die Elbe und schloß mit einigen rechtselbischen Stämmen Verträge ab. Wahrscheinlich wurden weitere Vorstöße in germanisches Gebiet aus dem Donauraum vorgenommen. Im Jahre 1 n.Chr. führten die Legaten M.Vinicius und Ahenobarbus verschienene Feldzüge zwischen Rhein und Ems. Der Rückweg des Ahenobarbus führte ihn auch durch das Land der Cherusker. Dort mischte er sich massiv in interne Stammesangelegenheiten ein, so daß die erbosten Cherusker die mit Tiberius vermutlich geschlossenen Verträge aufkündigten. Auf seinem weiteren Rückmarsch zum Rhein legte er die berühmten “pontes longi” an, einen Knüppeldamm durch ein Sumpfgebiet. In den Jahren 1-4 n.Chr. gab es vor allem Unruhen im heutigen Norddeutschland.

Im Jahre 4 n.Chr. übernahm Tiberius wieder das Oberkommando in Germanien und führte einen Feldzug durch, wobei er die Chauttuarier unterwarf. Auch im Jahre 5 n.Chr. fand ein Feldzug statt. Mit den Chauken schloß Tiberius in diesem Jahr Verträge. Nachdem die Römer nun im Jahre 6 n.Chr. mit den meisten germanischen Stämmen zwischen Rhein und Elbe Verträge geschlossen hat, begann der Aufbau der neuen Provinz Germanien. Die Römer richteten kaiserliche Domänen (saltii) ein, bauten Strassen, eröffneten regionale Märkte und legten Kastelle an. Ebenso begannen sie mit der Errichtung von Städten (Halberstadt, Hildesheim (?) sowie Waldgirmes). Tiberius führte im Jahr 6 erst einen Feldzug in Germanien durch und zog dann gegen die Markomannen. Das aufblühende markomannische Königreich in Böhmen unter dem König Marbod empfand Rom als ständige Bedrohung. 12 Legionen waren in je zwei Armeen zu jeweils 6 Legionen (eine von Germanien unter Sentius Saturninus und die zweite aus Noricum unter Tiberius selbst) auf dem Weg zu den Markomannen. Als Tiberius noch ca. 5 Tagesmärsche von dem Platz, wo Marbod 75.000 markomannische Krieger zusammengezogen hatte entfernt war, erhielt er die Nachricht von schweren Unruhen in Pannonien und Dalmatien. Sofort rückte er mit seinen Legionen zu ihrer Niederschlagung ab und schloß mit Marbod einen Friedensvertrag.

Im Jahre 7 n.Chr. schickte Augustus Publius Quintilius Varus als neuen Statthalter nach Germanien. Dieser hatte vor allem seit dem Krieg in Pannonien dafür zu sorgen, daß die mit den Germanen vertraglich vereinbarten Steuern und Getreidelieferungen (trotz Mißernten u.ä) pünktlich geliefert wurden, denn sie wurden zur Versorgung der römischen Truppen in Pannonien dringend benötigt. Dies und die Tatsache, daß der römische Einfluß in Germanien durch Handel und erste Ansiedlungen (vermutlich sogar im Bau befindliche Städte) immer stärker wurde, machten es Varus nicht gerade leicht. Der Unmut unter den germanischen Stämmen wuchs stetig. Varus war im Juli des Jahres 9 n.Chr. mit seinem gesamten Heer (5 Legionen, die 14., 21. sowie die 17.,18. und 19.) und Gefolge in seinem Sommerlager an der Weser nahe am Gebiet der Cherusker (deren Fürsten Arminius, Segimer und Segestes sich in seinem Gefolge befanden). Dort erreichte ihn die Nachricht über einen Aufstand von entfernt von seinem Lager befindlichen Stämmen, die bereits in ihrem Gebiet stationierte Römer getötet haben sollten.

Das veranlaßte ihn, unverzüglich einen Feldzug gegen die aufständischen Stämme zu führen. Am Vorabend dieses Feldzuges gab Varus noch ein Gastmahl und er wurde dabei durch Segestes gewarnt, daß Arminius und Segimer eine Verschwörung gegen ihn planten, aber er schenkte dem (zumindestens em Anschein nach) keinen Glauben. Zwischen ihm und seinem Neffen Asprenas kommt es daraufhin zum Disput, so daß Varus Asprenas mit der 14. und 21. Legion zurück an den Rhein ziehen läßt. Mit Asprenas Truppen ziehen auch die Frauen und Kinder. Zudem transportiert er einen erheblichen Teil des Eigentums der Offiziere und Soldaten zurück an den Rhein. Um den Wegfall dieser zwei Legionen zu kompensieren und die vermeintlichen Aufrührer gleichzeitig zu schwächen, bittet Varus die in seinem Sommerlager anwesenden Stammesfürsten um Hilfstruppen, die ihm diese gewährten. Das sie nie kommen würden, wußte Varus zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.